Kampfgas:


Kurzüberblick:

Im Ersten Weltkrieg fand der erste Einsatz von chemischen Kampfstoffen statt. Dies geschah im August 1914 durch französische Truppen, die erstmals Tränengas gegen deutsche Truppen anwandten. Erste Versuche beider Seiten mit Stoffen, die Augen und Nase reizen und in fein kristallisierter Pulverform vorlagen, wie o-Dianisidinchlorsulfonat verliefen unzufrieden-stellend, da die Stoffe sich beim Abschuss durch die entstehende Hitze zersetzten.

Das erste Gelingen eines Einsatzes von chemischen Waffen ist am 22. April 1915 in der Zweiten Flandernschlacht bei Ypern zu verzeichnen, als deutsche Truppen 150 Tonnen Chlorgas aus Flaschen mit Hilfe des Haberschen Blasverfahren entweichen ließen. Da Chlor aufgrund seiner Molekülmasse schwerer ist als Luft, sank es nach unten und damit in die französischen Schützengräben. Dies forderte dort rund 5.000 Tote und 10.000 -15.000 Verletzte. Bald darauf wurden auch von der Gegenseite chemische Kampfstoffe eingesetzt. So setzte Frankreich als erste der kriegsführenden Nationen am 22. Februar 1916 Phosgen (COCl2) in Reinform ein, nachdem Deutschland es bereits am im Mai 1915 als 5%ige Beimengung zum Chlorgas verwendet hatte. Später wurden Giftgasgranaten verschossen, die die Kampfgase enthielten. Bei diesen wurden farbige Kreuze (Blaukreuz, Gelbkreuz, Grünkreuz) benutzt um erkennbar zu machen, welche Art von Kampfstoff sie enthielten. An der Westfront wurde verstärkt Gelbkreuz eingesetzt, das für Hautkampfstoffe stand.

Insgesamt verursachten chemische Waffen im Ersten Weltkrieg insgesamt etwa 100.000 Tote und 1,2 Millionen Verwundete auf beiden Seiten. Sie werden als schrecklichste Waffe des ersten Weltkrieges angesehen, was auf ihrer psychologischen Wirkung beruht. Die Verlustraten sind sehr hoch, es gibt also sehr viele kampfunfähige Soldaten, andererseits sind im Vergleich zu anderen Waffen die Todesraten gering, zusätzlich werden im Vergleich zu herkömmlicher Artilleriemunition weniger dauerhafte Verstümmelungen beim Menschen verursacht.

Obwohl chemische Kampfstoffe im Vergleich von Kosten und Wirkungsgrad billig in der Herstellung und somit beliebt bei den Militärs waren, zeigte sich schon im Laufe des Ersten Weltkriegs, dass sich der Einsatz chemischer Kampfstoffe von einer billigen und vergleichsweise humanen Waffe zu einem Waffensystem entwickelte, welches derartig grausame und unkalkulierbare Wirkungen zeigte, dass es als Waffe unter humanitär verantwortbaren Aspekten nicht einsetzbar ist.

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Taktik bei der Verwendung von chemischen Kampfstoffen:

In Folge dieser Kenntlichmachung wurden die verschiedenen Kampfstoffe häufig auch kombiniert eingesetzt: Stark reizend wirkende Kampfstoffe wie Blaukreuz durchdrangen die Filter der Gasmasken. Die Reizstoffe zwangen den Gegner, die Gasmaske abzunehmen. Gleichzeitig oder kurz nach diesen, so genannten Maskenbrechern wurden lungenschädigende Kampfstoffe wie Grünkreuz eingesetzt. Auf diese Weise wurde der Schutz der Gasmasken der gegnerischen Truppen umgangen. Der kombinierte Einsatz verschiedener Kampfstoffe zu diesem Zweck wurde als Buntkreuz bezeichnet.

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Zeitlicher Überblick:

  • August 1914: Frankreich setzt Tränengas im 1. Weltkrieg ein
  • 22. April 1915: Deutschland setzt Chlorgas im 1. Weltkrieg ein
  • 12. und 13. Juli 1917: In der Nacht wurde Senfgas (Schwefellost) zum erstmalig in Ypern (Belgien) eingesetzt.
  • Ende 1915 und 1917: Deutschland setzt Phosgen im 1. Weltkrieg ein
  • 1917 / 1918: Großbritannien, Frankreich und USA setzen Phosgen und Senfgas im 1. Weltkrieg ein
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    Kampfgasarten:

    Chlorgas:

    Chlor (von griechisch chloros = gelblich grün, wegen der gelbgrünen Farbe von Chlorgas) ist ein chemisches Element mit dem Symbol Cl und der Ordnungszahl 17. Aufgrund seiner Eigenschaften gehört Chlor zur Gruppe der Halogene, der 7. Hauptgruppe des Periodensystems der Elemente. Es liegt in im gasförmigen Aggregatzustand vor. Chlor ist als giftig eingestuft und verursacht verschiedene Auswirkungen beim Menschen, es ruft Augenverätzungen sowie Lungenverätzungen hervor. Es kann auch in Form von Chlorcyan mit Blausäure gemischt als Blutkampfstoff eingesetzt werden.

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    Phosgen:

    Phosgen als Kampfstoff ist eine unberechenbare Waffe. Eingeatmetes Phosgen zersetzt sich in der Lunge mit der dort vorhandenen Feuchtigkeit allmählich zu Kohlendioxid und Salzsäure; die letztere verätzt das Lungengewebe und die Lungenbläschen. Dies führt nach 2-3 Stunden zu quälendem Husten, Blausucht und Lungenödemen und endet meist tödlich. Der Tod tritt in der Regel bei vollem Bewusstsein ein. Anders als Senfgas wirkt Phosgen nur durch die Lunge, nicht durch die Haut.
    Es gehört zur Gruppe der Grünkreuzkampfstoffe und war im 1. Weltkrieg für den Grossteil aller ca. 100000 Gastoten verantwortlich.

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    Blaukreuz:

    Als Blaukreuz Kampfstoffe bezeichnet man auch heute noch chemische Kampfstoffe, die auf den Rachen- Nase Raum wirken, also auf Schleimhautbereiche.
    In Granatenform verwendet wurden die verschiedenen Kampfstoffe in festem Zustand in Flaschen gegossen und mit flüssigem Sprengstoff ummantelt und nach Aushärtung verschossen. Bei der Explosion wurde der Kampfstoff zu Partikeln zerstäubt, die aus zusammengesetzten Molekülen bestanden und somit um vielfaches größer als die Einzelmoleküle waren. Dadurch vollführten die Partikel nicht die typische Molekülbewegung, die innerhalb kürzester Zeit zu einem Kontakt mit dem Filtermaterial führen würde, sondern schwebten träge durch die Zwischenräume der Filterfüllung hindurch. Durch die stark reizende Wirkung rissen die Soldaten die Gasmasken vom Gesicht, womit sie gegen die folgenden Angriffe, z.B. mit Grünkreuzkampfstoffen unbeschützt waren. Die einzige Möglichkeit der Abhilfe bestand in zusätzlichen Filterscheiben, die das Atmen allerdings erschwerten.

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    Gelbkreuz:  

    Als Gelbkreuzkampfstoffe bezeichnet man chemische Stoffe, die ätzend auf die Haut des Betroffenen wirken. Die Bezeichnung als Gelb liegt nicht an der Farbe des Rauches wie bei Chlorgas, sondern einfach an der gelbfarbigen Kennzeichnung der Granaten von deutschen Soldaten.
    Hauptinhaltsstoff der Gelbkreuzgranaten war Senfgas (Lost).

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    Grünkreuz:

    Wie auch Gelbkreuzkampfstoffe wurden auch Grünkreuzkampfstoffe in giftgastragenden Granaten verwendet. Auch sie erlangten ihren Namen durch die deutsche Artillerie.
    Mit Phosgen als Kampfstoff, der auf die menschliche Lunge wirkt, im ersten Weltkrieg verwendet, ist der Begriff Grünkreuz heute allgemein für Lungenkampfstoffe gebräuchlich.
    Der erste Einsatz war am 31. Mai 1915 bei dem Angriff der Deutschen bei Ypern. Hierbei wurde es in einer Mischung aus 95% Chlorgas und 5% Phosgen eingesetzt. Schon bald danach wurde der Chlorgaseinsatz fallengelassen und stattdessen reines und deutlich wirkungsvolleres Phosgen verwendet.

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    Buntkreuz:

    Die kombinierte Anwendung von Kampfstoffen der verschiedenen Farbklassen. Die hierbei angewandte Taktik ist beschrieben unter Kampfgase.

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    Tränengas:

    Tränengase sind Augenreizstoffe, die starken Tränenfluss verursachen und somit die Sehfähigkeit vermindern. Durch eine Reizung der Atemwege hierbei, kann 1-2 Stunden andauernder Husten und/oder Übelkeit eintreten, wobei die Symptome nur langsam abklingen.

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    Senfgas (Lost):

    Senfgas auch Lost bezeichnet, gibt es auf Basis von Stickstoff (N-Lost) oder Schwefel (S-Lost). Sie gehören zur Gruppe der Hautkampfstoffe (Gelbkreuz).

    Die Aufnahme ist oral, inhalativ und über die Haut möglich. Die Inkubationszeit beträgt 2-14 Tage nach Inhalation. Die Aufnahme durch die Haut erfolgt sehr leicht und ohne auffällige Anzeichen wie Nässe- oder Kältegefühl. Das Opfer bemerkt in der Regel die Vergiftung nicht.

    Die Wirkung auf die Haut ist vergleichbar mit starken Verbrennungen oder Verätzungen. Es bilden sich große, stark schmerzende Blasen. Die Verletzungen heilen sehr schlecht. Das Gewebe wird nachhaltig zerstört und die Zellteilung gehemmt. Großflächig betroffene Gliedmaßen müssen meistens amputiert werden. Werden die Dämpfe eingeatmet, so werden die Bronchien zerstört. Eine Entgiftung der Haut kann durch eine sofortige Behandlung durch Abwaschen mit starker Seifenlauge oder durch Besprühen der betroffenen Stellen mit Chlorkalk erfolgen. Ein Abdecken der betroffenen Körperregionen, z.B. durch Kleidung oder Decken, ohne vorherige Entgiftung verschlimmert die Symptome zusätzlich.
    Das Auge reagiert am empfindlichsten auf S-Lostdampf. Die Folge ist eine im glimpflichen Fall vorübergehende Erblindung, da das massive Lidödem eine aktive Augenöffnung verhindert. Da die Augen bis zu einem gewissen Grad jedoch in der Lage sind, sich zu regenerieren, bestehen oftmals nach einer Dauer von einigen Monaten gute Heilungschancen und Aussicht auf das Wiedererlangen der Sehkraft.

    Der Einsatz von Senfgas wird wahrscheinlich das komplette Gesundheitssystem eines betroffenen Landes blockieren, da die betroffenen Patienten monatelang intensivmedizinisch betreut werden müssen.

    Quellen (u.a.):

    • Handbuch zur deutschen Militaergeschichte, ISBN: 3763703179, ab 230
    • Gifte und Vergiftungen. Lehrbuch der Toxikologie von Louis Lewin, ISBN: 3830406940, ab 90
    • Gifte.de
    • Der Erste Weltkrieg. Daten, Fakten, Kommentare von Christian Zentner, ISBN: 3811816527, ab 15

    von David Wottke

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